letzter Tribut an den Winter

Der große Sohn hatte Schiwoche und eigentlich wollte ich nur die Schi zum Service bringen. Nicht in das riesige Sportgeschäft, sondern in das winzigkleine hier um die Ecke. Ein Familienbetrieb mit Mann und Frau und Schild an der Tür: “Bitte klingeln”. Während mich Frau auf sehr sympathische Weise in Grund und Boden redete – über Schiwochen, über wachsende Kinder, über Söhne und Tanzschuhe, über sich ärgernde, der Tanzschuhe beraubte Väter – schaute ich die Schi-Ausverkaufsmodelle an. Ich gestehe, ich habe seit Jahren keine Schi mehr, weil ich jahrelang im Flachland gelebt habe, wo die höchste Erhebung der künstlich aufgeschüttete Rodelhügel mit waghalsigen vier Metern war, weil ich ein paar Winter lang schwanger war oder ein Stillkind hatte, weil die Schifahrpreise sowieso eine Frechheit sind und weil ich die wenigen paar Mal, wo ich doch ging, Schi ausgeliehen hatte. Und eigentlich wollte ich das auch weiterhin so handhaben. (Hiermit möchte ich auch das Klischee widerlegen, dass Vorarlberger Babys mit Schi an den Füßen geboren werden – dort, wo ich geboren bin, nämlich am Bodensee, haben die Babys Schwimmhäute.) Doch irgendwo im Kopf war die Überlegung, dass die Kinder ja größer werden und ich dann sogar mit ihnen Schifahren gehen kann, dass wir dort wohnen, wohin andere Leute lange fahren und gerne stundenlang im Stau stehen, damit sie schifahren gehen können, dass ich nicht im Stau stehen muss, weil ich weiß, wo die netten kleinen Schigebiete sind und außerdem haben die Schi mich ganz laut angelacht und der Preis, den Frau machte, war absolut genial. Aber ich bin keine schnelle Einkäuferin. Höchstens bei Wolle und Stoff. Aber nach Rücksprache mit Herrn K. (“Natürlich kaufst du dir die Schi!”) und einer Nacht darüber schlafen waren die Schi am nächsten Tag mein.

“Wie gut fährst du denn?”, fragte Frau wegen der Einstellung der Bindung. “Ähm”, sagte ich, “ich war schon seit Jahren nicht mehr auf der Piste, weißt du, die Kinder…Vielleicht unteres Mittelfeld?!” “Ah, ich weiß schon”, sagte sie, “Hausfrauenschifahren.”

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