kochen, 1. Lektion

M ama, ich koche für dich”, sagte mein Sohn, als er mich leicht gestresst mit schreiendem, weil hungrigem Baby sah. Verschieben konnte ich das Essen nicht, da die größere Tochter pünktlich um eins beim Treffpunkt für einen Indianerlagernachmittag zu sein hatte. Im ersten Reflex wollte ich ja: “Das kannst du nicht”, antworten, aber wir modernen, emanzipierten Mütter wollen unsere Söhne ja zu selbstständigen und von weiblicher Fürsorge unabhängigen jungen Männern erziehen, die die zukünftige Schwiegertochter (angehende Ärztin, natürlich) mit einem 5-gängigen Menü in der Studentenwohnung einkochen können. Also gebe ich klare Anweisungen: “Den Tofu lässt du noch in der Pfanne braten, bis er schön braun ist, dann schütte ihn in eine Schüssel, gieße neues Öl in die Pfanne, brate das geschnittene Gemüse darin an, dann Sojasauce drüber, Tofu wieder dazu, abschmecken tu ich es dann, bis dann ist die V. nicht mehr hungrig.” Sohn schaut in die Pfanne, meint: “Dann lass ich den Tofu noch fünf Minuten braten, das kann er eh allein, ich gehe und komm dann später wieder.” Und ward nicht mehr gesehen.

Schon einmal mit stillendem 8 kg Kind gekocht? Das geht ganz gut, wenn es auf dem rechten Arm liegt und der Popo mit dem linken Knie abgestützt wird. Die linke Hand kann dann gemütlich in der Pfanne stochern. Wichtig ist nur, das Gleichgewicht mit dem rechten Fuß gut auszubalancieren, sonst fällt man um. Endlich verstehe ich den Spruch, der die Wand meiner alten Mädchenschule zierte: “Es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen.” Heute wäre es bald gefallen, das Babyvolk.

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