Be-Hürden

Nicht, dass ich mich gerne über Dinge aufrege. Gar nicht. Meistens finde ich Begegnungen der anderen Art einfach nur schräg und zum Lachen. Aber manchmal wundere ich mich doch sehr über Dinge, die passieren…

Nach unserer Hochzeit gab es einiges an Bürokratie zu erledigen, immerhin bekamen vier Kinder einen neuen Nachnamen und brauchten somit jeweils eine neue Geburtsurkunde (lustig auch der Umstand, dass ein Kind, und auch wenn es 12 Jahre ein lediges Kind war, plötzlich rückwirkend legalisiert wird.) Und um alles noch zu verkomplizieren, musste ich diese vier Geburtsurkunden bei vier verschiedenen Standesämtern beantragen – ein Abbild unseres jahrelangen Nomadentums quer durch Österreich. Aber immerhin bei österreichischen Standesämtern und ich war versucht zu glauben, dass das so ziemlich einheitlich abzulaufen hätte. Dachte ich.

Von einem Standesamt in Vorarlberg bekam ich kurz nach der Hochzeit einen Brief – sie hätten die Daten unserer Eheschließung erhalten und falls ich eine neue Urkunde für das Kind brauche, solle ich mich kurz melden. Ein Telefonat, am nächsten Tag war die Geburtsurkunde mit der Post da, Rechnung über € 9,30 anbei.

Das zweite Standesamt in Vorarlberg meldete sich nicht selbst, aber nach einem Anruf wurde die Geburtsurkunde vorbereitet, da ich sowieso in der Stadt zu tun hatte, konnte ich sie abholen und € 9,30 in bar bezahlen.

Das dritte Standesamt war in Wien. Der Herr am Telefon meinte, er würde heute noch einen Mitarbeiter beauftragen, dass er mir einen Link schickt, der mich auf ein Online-Formular zur Neuanforderung einer Geburtsurkunde führt. Der Mitarbeiter machte das auch noch im Laufe des Tages und ich füllte online aus. Am Ende des Formulars stand, dass ich den Antrag hiermit schriftlich einreichen würde und ich somit eine Bundesgebühr von € 14,30, also insgesamt € 23,60, zu bezahlen hätte. Leicht irritiert schickte ich den Antrag nicht ab, sondern schrieb ein E-Mail (ein nettes, ehrlich) mit der Frage, warum mein telefonischer – folglich mündlicher – Antrag nicht als solcher angenommen werden kann, so wie es in anderen Standesämtern Österreichs auch üblich sei. Und dass ich mich doch etwas wundere über die unterschiedliche Handhabung. Am nächsten Tag rief der Herr wieder bei mir an und meinte, es sei wirklich enervierend, immer müsse er das ausbaden und er habe jetzt doch einen Weg gefunden, mein Anruf als mündlich zu bearbeiten. Und ich solle ihm das Geld zuerst überweisen. Tat ich. Die Urkunde kam.

Das vierte Standesamt in Niederösterreich meinte, sie hätten keine Daten einer Eheschließung bekommen, ich müsse da bei meinem Standesamt reklamieren. Die lachten und meinten, Blödsinn, wir haben die Verständigungen alle gleichzeitig übermittelt, wenn die einen das haben, haben die anderen das auch. Vorsichtshalber wurde aber alles nochmals per Post geschickt. Beim nächsten Anruf wurde mir gesagt: “Aber da müssen Sie schon persönlich vorbeikommen.” Ich war sowieso schon ein bisschen grantig an diesem Tag und meinte leicht unwirsch, dass ich am anderen Ende von Österreich wohne (und ich das auch bei der Begrüßung betont hätte) und keine Möglichkeit hätte, vorbeizukommen, worauf ich zur Antwort bekam, das hätte ich jetzt ganz falsch verstanden, das habe sie auch nicht gemeint (?), sondern ich hätte den Antrag persönlich zu stellen, worauf ich meinte: “Aber deshalb ruf ich ja an!” So wurden mir denn die Bedingungen mitgeteilt: Übersenden einer Kopie der Heiratskurkunde, einer Kopie eines Ausweises, die Nummer aus dem Geburtenbuch und € 9,30 in bar. Meine leise Anfrage, warum sie denn eine Heiratsurkunde brauchten, wo sie die Daten doch inzwischen bekommen haben müssten, wurde mit: “Na dann schicken´S halt keine! Ist eh nicht wirklich notwendig”, abgetan und dann wollte ich auch noch wissen, ob ich das Geld nicht besser überweisen könnte, so mit der Post, das erschiene mir doch etwas unsicher und in Zeiten von E-Banking… “Nein, das geht nicht. Wissen Sie, das dauert immer zwei Wochen bis wir das Geld endlich auf dem Konto haben!” Ja, was sollte ich denn tun, ich habe das Geld in einem Kuvert gemeinsam mit den Kopien und der Geburtenbuchnummer (“Sonst finden wir das Kind nicht!”) geschickt. Kurz war ich in Versuchung, den Betrag in einzelnen Centstücken abzuzählen. Aber so hämisch bin ich ja dann auch wieder nicht. Die Urkunde habe ich noch nicht bekommen.

3 Comments

  1. Na da gehts aber zu bei uns in Ö. das wird sich leider nie ändern, hoch lebe die Bürokratie… und man kann nur versuchen, sich nicht davon drausbringen zu lassen, das allein ist schon schwer genug 😉

    lg
    georgina

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